Im Rahmen des Dokumentarfilmprojekts „Kollektives Streiten“ der Filmwerkstatt Münster entstehen bis Ende 2027 zwei kurze Dokumentarfilme, die sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit der Frage auseinandersetzen, wie Konflikte in Gruppen entstehen, verhandelt und gestaltet werden und was diese Prozesse über unser gesellschaftliches Zusammenleben aussagen. Auf die Ausschreibung hin bewarben sich 14 Filmteams mit ihren Filmideen. Ausgewählt wurden von einer Fachjury zwei herausragende Projekte. Der Fokus liegt auf der künstlerischen Auseinandersetzung mit Konflikt als produktiver Praxis: als Raum für Reibung und Transformation und für die filmische Annäherung an das, was Menschen trennt und zugleich verbindet.
Beide Filmteams beginnen ab September 2026 mit den Recherchen und ersten Dreharbeiten im Münsterland. Diese münden im Dezember 2026 in ein öffentliches Werkstattgespräch. Dabei werden die Filmteams stets vom Projekt begleitet und unterstützt. In Zusammenarbeit mit den kooperierenden Kinos Kino Eule (Steinfurt), Scala Filmtheater (Warendorf) und Cinetech (Ahaus) ist die Veröffentlichung der Filme für 2027 geplant.
Diese zwei Projektideen wurden für die Realisation ausgewählt:
IN DIE STÖRUNG HÖREN (AT)

Für sein Filmprojekt unter dem Arbeitstitel IN DIE STÖRUNG HÖREN begleitet Mustafa Khalaf einen seiner langjährigen Freunde, einen Noise-Künstler, welcher seit 15 Jahren ohne legalen Aufenthaltsstatus in Münster lebt. Zwischen permanenter Unsicherheit, Konflikten und Selbstzerstörung entsteht das Porträt eines Menschen, der von der Gesellschaft als „Störung“ dargestellt wird. Khalaf möchte hinter all diesen Konflikten die Schönheit eines Menschen sichtbar machen, der kaum jemanden nah genug an sich heranlässt.

Mustafa Khalaf ist ein im Irak geborener und in Deutschland tätiger Filmemacher und interdisziplinärer Künstler. Er studierte Freie Kunst an der Kunstakademie Münster mit dem Schwerpunkt Film, Video und Neue Medien bei Prof. Andreas Köpnick und wurde 2020 zum Meisterschüler ernannt. Khalafs künstlerische Praxis zeichnet sich durch die Verbindung filmischer, poetischer und musikalischer Ausdrucksformen aus. Er experimentiert an der Schnittstelle von verspielter Ernsthaftigkeit und selbstbewusstem Kitsch. Als Gründer des Kollektivs für improvisierten Film zzenf und des psychedelischen Quartetts amoklove setzt er sich mit Themen wie Migration, Identität und hybriden Ästhetiken auseinander.
BEDARFSFALL (AT)

Das Filmvorhaben „Bedarfsfall“ begleitet Gemeinden im Münsterland, deren ehemalige Militärflächen plötzlich wieder vom Bund beansprucht werden, nachdem deren zivile Umnutzung gestoppt wurde. Zwischen NATO-Strategien, kommunalen Zukunftsplänen und den Geschichten der Menschen vor Ort untersucht der Dokumentarfilm, wie die bloße Möglichkeit von Krieg Landschaften, Gemeinschaften und politische Versprechen verändert. Aus der Perspektive einer ostdeutschen Filmemacherin entsteht dabei eine beobachtende Annäherung an eine Region im Spannungsfeld zwischen Sicherheit, Kontinuität und Verlust.

Julia Wycisk ist Filmemacherin, Videojournalistin und Autorin für Musikvideos, Social Video, Dokumentar- und Kurzfilm. Sie ist im Sachsen der 90er aufgewachsen, lebt in Berlin und betreibt gemeinsam mit engen Freundinnen den Projektraum R100. Seitdem filmt sie Menschen unter Druck und all das was sich widerspricht und trotzdem gleichzeitig stimmt: Wärme und Zerfall, Humor und Erschütterung, Zusammenhalten und Aufgeben.
Das Filmprojekt KOLLEKTIVES STREITEN wird durch das RKP – Regionale Kultur Programm NRW des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sowie durch das Kulturamt Münster gefördert. Kinopartner:innen in der Region sind Die Eule – Filmstübchen Steinfurt, das Scala Filmtheater Warendorf und das Cinetech Ahaus. Partner:in für die Auswertung der entstehenden Filme ist das LWL-Medienzentrum für Westfalen.






