In der Nachkriegszeit mussten Kinder im Heim Johannaberg im Teutoburger Wald Heimweh, Drangsalierung und Gewalt erleben. Jahrzehnte später macht sich eine Gruppe längst erwachsener Betroffener auf die Reise und kehrt für eine Woche in das mittlerweile verlassene Heim zurück. Selbstbestimmt und begleitet von der Filmkamera verarbeiten sie ihre Erinnerungen in Szenen. Die Filmidee wurde in enger und jahrelanger Zusammenarbeit mit den Betroffenen, der Initiative Verschickungskinder und einer Psychologin entwickelt.
Deutschland 2025, 75 min Buch & Regie: Silas Degen Buchvorlage Anja Röhl Produktionsleitung Bastian Kühne-Delarocque Kostümbild Antje Sternberg Schauspiel Michaela Allendorf Bildgestaltung Léa Morelli Tongestaltung Leon Fiedler Musik Max van Dusen Schnitt Pia van den Bruck Psychologische Begleitung: Sibylle Schuchardt
Koproduziert mit der Filmwerkstatt Münster.
Als ich zu Beginn meiner Recherchen mit Verschickungskindern ins Gespräch kam, hörte ich von vielen den Wunsch, den Ort aufzusuchen, wo sich ihr Heim damals befunden hat. Das hat mich überrascht und neugierig gemacht. Denn ich hätte gedacht, dass ich selbst um alles in der Welt verhindern würde, nochmal an den Ort zurückzukehren. So entstand die Idee des Filmes, dass die Verschickungskinder das Heim wiederbeleben. Aber eben nicht als die damaligen Kinder, sondern als die heutigen Erwachsenen. Tatsächlich hat das für die mitwirkenden Protagonist*innen zumindest einen Teil des Schreckens von diesem Haus genommen. Und damit auch von der Macht, die das Gebäude und die Erinnerung bis heute über sie hatte. Daraus entstand übrigens auch der Titel “Heimgesucht”, der ein Wortspiel ist: Die Verschickungskinder wurden von den Erinnerungen heimgesucht und sie gehen ihr Heim suchen. Mein Film versucht nicht zu zeigen, was sich in Johannaberg ereignet hat. Er zeigt die Erinnerungen der Verschickungskinder, auch wenn sie sehr subjektiv, mit Alpträumen vermischt und überzeichnet sein mögen. Wenn der Abspann läuft, soll jeder im Kinosaal ein Gefühl haben, was es bedeutet, verschickt gewesen zu sein.



Fotos von den Dreharbeiten:





Silas Degen produzierte unter dem Titel „Heimgesucht“ auch ein Radiofeature, das in der Deutschlandfunk-Mediathek angehört werden kann.