In der Nachkriegszeit mussten Kinder im Heim Johannaberg im Teutoburger Wald Heimweh, Drangsalierung und Gewalt erleben. Jahrzehnte später macht sich eine Gruppe längst erwachsener Betroffener auf die Reise und kehrt für eine Woche in das mittlerweile verlassene Heim zurück. Selbstbestimmt und begleitet von der Filmkamera verarbeiten sie ihre Erinnerungen in Szenen. Die Filmidee wurde in enger und jahrelanger Zusammenarbeit mit den Betroffenen, der Initiative Verschickungskinder und einer Psychologin entwickelt.

Deutschland 2024/25, 30min Buch & Regie: Silas Degen
Psychologische Begleitung: Sibylle Schuchardt
Tongestaltung: Leon Fiedler
Musik: Max van Dusen
Produktion: Basian Kühne-Delarocque
Diese Produktion wurde Unterstützt von der Filmwerkstatt Münster.
Statement des Filmemachers
Nur zwei Straßenecken lag das Verschickungsheim Waldhaus in Bad Salzdetfurth von meinem Elternhaus entfernt. Längst ist das Gebäude abgerissen worden und mittlerweile befindet sich dort ein Bolzplatz, auf dem ich als Kind selbst noch einen Ball ins Tor gekickt habe. Nur die Grundmauern und das Straßen- schild erinnern noch an das damalige Verschickungsheim. Auch meine Heimatstadt hat das dunkle Kapitel Kinderverschickung über Jahrzehnte hinweg totgeschwiegen, ob- wohl diese den Einwohner*innen nachweislich bekannt waren. Umso wichtiger ist es mir, die Kinderverschickung und die Betroffenen hinter diesem Wort in Erinnerung zu halten. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu Schulzeiten über Jahre hinweg Gewalt durch Mobbing in der eigenen Klasse ausgesetzt war. Jedenfalls ist der Wille, systemisches und ungesehenes Unrecht an Kindern aufzuarbeiten, zu einem Hauptanliegen meiner Kunstwerke geworden. Diese Parallele vereint mein Hörspiel „Die Schlangenbande“ über jugendliche Widerstandskämpfer in der NS-Zeit, den Kurzfilm „Schreiendes Schweigen“ über ein Scheidungskind und den Fernsehbeitrag „Die Geschichte der Edelweißpiraten“ für das heute journal im ZDF. Bereits im Jahr 2021 habe ich ein Hörspiel über die Kinderverschickung produziert. Doch im Laufe meiner intensiven Recherche begriff ich, dass ein Kurzhörspiel nicht ausreicht, um die vielen Erlebnisse der Verschickungskinder zu reprä- sentieren. So entstand die Idee, das Thema in Form eines Dokumentarfilmes aufzugreifen.



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