Screen Talent Europe: Antonia Ermeling in Tromsø

Filmwerkstatt-Mitglied Antonia Ermeling beim Screen Talent Europe-Programm in Tromsø

Filmwerkstatt-Mitglied Antonia Ermeling war gemeinsam mit Filmschaffenden aus Norwegen, Dänemark, Schweden, Irland, der Türkei, den Niederlanden und Deutschland Teilnehmerin des Screen Talent Europe (STE) Programms im September 2026 in Tromsø.

Neben vielen Möglickeiten zum Netzwerken und der Teilnahme an informativen Panel Talks waren die Nachwuchs-Filmschaffenden gefordert am Shooting Day in kleinen Gruppen gemeinsam innerhalb von 24 Stunden einen Kurzfilm zu drehen – Drehbuch und Schauspieler:innen wurden gestellt. Beim Scenetekstivalen Filmfestival-Screening am Folgetag erhielt der Film von Antonias Gruppe, ein One-Taker mit dem Titel „I Told You Not to Touch That“ den Best Film Award.

Alle Fotos: Antonia Ermeling


Das Screen Talent Europe Programm in Tromsø
Ein Bericht von Antonia Ermeling

Am Donnerstagabend kam ich in Tromsø an. Nachdem ich im Hotel eingecheckt hatte, ging es direkt weiter zum Treffpunkt des Programms: Tvibit, einem norwegischen Kultur-und Jugendzentrum, das jungen Kreativen unter anderem Räume, Unterstützung undMöglichkeiten zur Vernetzung bietet.

Dort lernte ich sofort die anderen Teilnehmer*innen des Screen Talent Europe (STE)Programms kennen. Bei gemeinsamem Essen kamen wir schnell miteinander ins Gespräch. Talents aus Norwegen, Dänemark, Schweden, Irland, der Türkei, den Niederlanden und Deutschland waren zusammengekommen. Wir stellten uns vor, erzählten von unseren bisherigen Erfahrungen und verbrachten einen ersten gemeinsamen Abend. Allzu lange wurde es allerdings nicht, denn viele von uns waren von der Anreise erschöpft und wollten am nächsten Morgen wieder fit sein.

Der nächste Tag begann mit etwas Freizeit. Gemeinsam mit anderen internationalen Teilnehmer*innen erkundete ich die Innenstadt von Tromsø, entdeckte kleine Läden und bekam dabei immer mehr Einblicke in die unterschiedlichen Lebens- und Karrierewege der anderen Filmschaffenden. Es war spannend zu erfahren, wie unterschiedlich unsere Wege in die Filmindustrie bisher verlaufen waren und gleichzeitig festzustellen, wie viele Gemeinsamkeiten wir trotz unserer verschiedenen Herkunftsländer hatten.

Anschließend trafen wir uns alle zum gemeinsamen Lunch. Um 14 Uhr fand ein Panel Talk statt, der sich mit der Situation des Volkes der Samen in Norwegen und insbesondere mit ihrer Sichtbarkeit beziehungsweise Unsichtbarkeit in der Filmindustrie beschäftigte.

Das Thema war für mich besonders interessant, da ich zuvor nur sehr wenig darüber wusste. Umso wertvoller war es, die Perspektiven und Erfahrungen vor Ort kennenzulernen und mehr über die Geschichte und gegenwärtige Situation der Samen zu erfahren.

Am Abend bekamen wir schließlich die Informationen für den bevorstehenden Shooting Day. Innerhalb von ungefähr 24 Stunden sollten wir in unseren Gruppen einen Kurzfilm planen, drehen, schneiden und fertigstellen. Die Drehbücher zu unseren Filmen wurden ausgelost. Diese waren zuvor in einem Workshop von anderen internationalen Talents entwickelt worden.

Unser Drehbuch trug den Titel I Told You Not to Touch That und erzählte von einer komplizierten, gleichzeitig unterhaltsamen Geschwisterdynamik, die schließlich in einem Bar-Fight eskaliert. Auch die Schauspieler*innen wurden uns zur Verfügung gestellt. Sie kamen alle aus Norwegen, waren aber bereit, auf Englisch zu spielen. Die Rollen innerhalb unseres Filmteams konnten wir selbst verteilen.

Ich übernahm die Rolle der Editorin und unterstützte gleichzeitig den Kameramann Karim aus Irland und die Regisseurin Freya aus Dänemark bei der Entwicklung von Ideen für Kameraführung, Framing und Timing. Gerade das Timing spielte bei unserem Film eine besonders wichtige Rolle, da wir uns als Gruppe für einen One-Taker, also einen Film in einer einzigen durchgehenden Einstellung, entschieden hatten. Jede Bewegung und jeder Einsatz musste deshalb genau sitzen.

Einen ganzen Tag lang drehten wir am unseren Film. Während wir am Set arbeiteten, wurde es zunehmend spannend, wie aus den ersten Ideen tatsächlich ein fertiger Kurzfilm entstand. Abends ging die Arbeit weiter: Während ich mich um den Schnitt kümmerte, stellte Robin aus den Niederlanden das Sounddesign fertig.

Am Sonntag, dem letzten Tag des Programms, mussten wir unseren fertigen Film bis 12 Uhr abgeben. Danach habe ich mir für ein paar Stunden Zeit für mich allein genommen, um die Natur der Insel zu erkunden und habe mir den „Bukta Beach“ und den „Prestvennet“ See anschauen können. Einzigartige Orte, die mich sehr zum Staunen gebracht haben.

Am Abend fand schließlich das Scenetekstivalen Filmfestival statt. Dort wurden alle während des Programms entstandenen Filme vorgeführt. Eine Jury hatte zuvor entschieden, welche Filme in den verschiedenen Kategorien ausgezeichnet werden sollten.

Umso größer war unsere Freude, als unser Kurzfilm I Told You Not to Touch That den Best Film Award gewann. Anschließend ging es zurück in den Pub, wo wir gemeinsam mit allen Teilnehmer*innen das Ende eines erfolgreichen und ereignisreichen Programms feierten.

Das Screen Talent Europe Programm hat mir viele neue Türen geöffnet und mein Verständnis für die internationale Filmindustrie deutlich erweitert. Besonders wertvoll waren für mich die Begegnungen mit den anderen Filmschaffenden. Aus einer Gruppe von Menschen, die sich zu Beginn kaum kannten, sind innerhalb weniger Tage Freundschaften, kreative Verbindungen und Ideen für zukünftige Projekte entstanden.

Schon jetzt weiß ich, dass ich im nächsten Jahr nach Irland reisen werde, um einige der Menschen aus dem Programm wiederzusehen. Auch über zukünftige Filmprojekte, die wir gerne international ausrichten und gemeinsam umsetzen möchten, wurde bereits gesprochen. Ich bin gespannt, welche dieser Ideen tatsächlich Realität werden und wohin mich die neu entstandenen Kontakte noch führen werden.

Die Zeit in Tromsø war für mich eine einzigartige Erfahrung. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, so viele offene, warmherzige und kreative Menschen aus unterschiedlichen Ländern kennenzulernen, gemeinsam mit ihnen zu arbeiten und dabei nicht nur filmisch, sondern auch persönlich viel Neues zu lernen. Das Screen Talent Europe Programm hat mir gezeigt, wie verbindend Film sein kann, über Länder, Sprachen und kulturelle Unterschiede hinweg