Vierzehn Filmteams aus ganz Deutschland meldeten sich auf den Aufruf der Filmwerkstatt Münster für das künstlerische Dokumentarfilmprojekt „Kollektives Streiten“. Zwei Teams wurden von einer vierköpfigen Jury ausgewählt und starten im September im Münsterland mit der Herstellung ihrer Kurz-Dokus, die Ende 2027 in kooperierenden Kinos im Münsterland zu sehen sein werden.
Mit dem Arbeitstitel „In die Störung hören (AT)“ begleitet Filmemacher Mustafa Khalaf einen Noise-Künstler, welcher seit 15 Jahren ohne legalen Aufenthaltsstatus in Münster lebt. Zwischen permanenter Unsicherheit, Konflikten und Selbstzerstörung entsteht das Porträt eines Menschen, der von der Gesellschaft als „Störung“ dargestellt wird. Khalaf möchte hinter all diesen Konflikten die Schönheit eines Menschen sichtbar machen, der kaum jemanden nah genug an sich heranlässt.
Julia Wycisk möchte mit der Doku „Bedarfsfall (AT)“, Gemeinden im Münsterland begleiten, deren ehemalige Militärflächen plötzlich wieder vom Bund beansprucht werden, nachdem deren zivile Umnutzung gestoppt wurde. Zwischen NATO-Strategien, kommunalen Zukunftsplänen und den Geschichten der Menschen vor Ort untersucht der Dokumentarfilm, wie die bloße Möglichkeit von Krieg Landschaften, Gemeinschaften und politische Versprechen verändert. Aus der Perspektive einer ostdeutschen Filmemacherin entsteht dabei eine beobachtende Annäherung an eine Region im Spannungsfeld zwischen Sicherheit, Kontinuität und Verlust.
Ab September 2026 beginnen die beiden Filmteams mit den Recherchen und ersten Dreharbeiten im Münsterland. Diese münden im Dezember 2026 in ein Werkstattgespräch. Interessierte erhalten dann Einblicke in die Stoffentwicklung und Entstehungsprozesse.
Das Projekt „Kollektives Streiten“ der Filmwerkstatt Münster beschäftigt sich damit, wie Konflikte in Gruppen entstehen, verhandelt und gestaltet werden und was diese Prozesse über unser gesellschaftliches Zusammenleben aussagen. Im Mittelpunkt steht die künstlerische Auseinandersetzung mit Konflikt als produktiver Praxis – als Raum für Reibung, Transformation und die filmische Annäherung an das, was Menschen trennt und zugleich verbindet.
Die Auswahljury, bestand aus Maria Minewitsch (Programmleitung Cinema & Kurbelkiste Münster), Marc Pierschel (Filmemacher & Vereinsmitglied), Michelle Koch (Autorin, Programmgestalterin & Leitung dfi – Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW) und Sina Musche (Filmvermittlerin, Medienpädagogin & Projektleitung „Kollektives Streiten“, erreichbar über musche@filmwerkstatt-muenster.de).
In Kooperation mit Die Eule, Scala Warendorf, Cinetec Ahaus und dem LWL-Medienzentrum für Westfalen.
Das Filmprojekt „Kollektives Streiten“ wird durch das RKP – Regionale Kultur Programm NRW des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sowie durch das Kulturamt Münster gefördert. Partner:in für die Auswertung der entstehenden Filme ist das LWL-Medienzentrum für Westfalen.
