Mit viel Leidenschaft, Ideenreichtum und filmischem Können präsentierten sechs Filmemacher:innen am 26. September 2025 ihre Projekte beim öffentlichen Pitch der Filmwerkstatt Münster. Bereits zum dritten Mal bot die Veranstaltung im Rahmen des Filmfestival Münster im SpecOps einen spannenden Einblick in die lokale Filmszene und die kreativen Köpfe dahinter. Ziel der Pitching Session: eine Förderung durch das Kulturamt Münster für das Jahr 2026.
Damit die Teilnehmenden bestens vorbereitet ins Rennen gehen konnten, fand Anfang September ein professionelles Pitching-Seminar mit Karin Sarholz aus Köln im Kreativ-Haus Münster statt. Das Training zeigte Wirkung – in jeweils fünf Minuten überzeugten die Filmemacher:innendie fünfköpfigen Jury mit durchdachten Konzepten, starken Geschichten und leidenschaftlicher Präsentation.
Die präsentierten Projekte reichten von Kurzspielfilmen bis hin zu hybriden Dokumentarfilmen:
- Florian Ropers, „Materialisierter Geist (AT)“, Dokumentarfilm
- Manuel Talarico, „Ecke im Wald (AT)!“, szenischer Kurzfilm
- Can Ünlü, „TörenAlayı“, hydriderDokumenarfilm
- Silas Degen, „Johannaberg, Dokumentarfilm
- Lea Lünenborg, „Fortschritt Film“, dokumentarischer Archiv Kurzfilm
- GülşahTunali, „Not my Story -über Narrative und Repräsentation“, biografische Dokumentation
Die Jury, bestehend aus Asbirg Naranjo, Lejla Aliev, Christine Kiauk, Claus Herzog-Reichelund Benjamin Leers, bewertete die Projekte nach ihrer Originalität, künstlerischen Qualität und Umsetzbarkeit. Zwei Projekte konnten die Jury besonders überzeugen:
- Eine Förderung erhalten Manuel Talarico (5.000 Euro) undCan Ünlü (5.000 Euro).
Beide Filme werden im Jahr 2026 produziert und fertiggestellt.
Jurybegründung
Der ästhetisch anregende Film von Can Ünlü überzeugt die Jury durch seine besondere Bildsprache und die präzise sowie sensible Auseinandersetzung mit den Themen: Abschied und Erinnerung, friedlichem Protest und Selbstermächtigung. Der Klang der einst in Deutschland aussortierten Maschinen ruft uns unsere eigene Verantwortung ins Bewusstsein, während die performative Ebene auf poetische Weise Widerstand mit politischer Realität verbindet. Wie der gewebte Stoff in „TörenAlayı“ Schicht um Schicht verflochten ist, so verweben sich auch die Ebenen der Erzählung mit der Bildsprache des Films.
Die Jury unterstützt dieses kraftvolle Filmprojekt mit einer Förderung von 5.000,00 Euro.
Mit Ecke im Wald (AT) gelingt es Manuel Talarico, den historischen Rahmen der Belagerung von Münster 1535 in einen zeitlosen Resonanzraum für gegenwärtige gesellschaftspolitische Fragen zu verwandeln. Der Film macht Geschichte zum Prisma, durch das Identität, Macht und Wahrheit zeitlos verhandelt werden – ein poetisches wie radikales Bild einer Welt im Umbruch.
Die Jury würdigt mit der Förderung von 5.000 € ein Projekt, das künstlerisch mutig, erzählerisch packend und formal visionär überzeugt.
Mit der Förderinitiative setzen die Filmwerkstatt Münster und das Kulturamt Münster ein deutliches Signal für den künstlerischen Film als eigenständige und förderwürdige Kunstform. Im Mittelpunkt steht die gezielte Stärkung des filmischen Nachwuchses in Münster: Junge Filmschaffende sollen ermutigt werden, Vertrauen in ihre Projekte und ihre künstlerische Handschrift zu entwickeln. Die Initiative schafft Raum für kreative Experimente, individuelle Ausdrucksformen und neue filmische Perspektiven – und trägt so zur Vielfalt und Lebendigkeit der lokalen Filmszene bei.
Darüber hinaus bietet das Pitching-Format wertvolle Praxiserfahrungen: In der Auseinandersetzung mit einer Fachjury, durch konstruktives Feedback und im Umgang mit öffentlicher Kulturförderung gewinnen die Teilnehmenden Sicherheit, Professionalität und ein tieferes Verständnis für die Präsentation ihrer eigenen künstlerischen Arbeit.
TörenAlayı,hybrider Dokumentarfilm – Can Ünlü
Ein Trauermarsch, oder doch ein Protestzug? – Menschen und Maskierten ziehen durch die Straßen eines türkischen Weberei-Dorfs, eine Prozession der BewohnerInnen, die sich langsam unter dem Sound von Trommeln, den Webmaschinen und ihren Stoffen formiert.
ECKE IM WALD (AT), Kurzspielfilm– Manuel Talarico
Im apokalyptischen Münster des 16. Jahrhunderts kämpft Franz von Waldeck um Kontrolle– und entdeckt, dass sein Gegenspieler Bernhard Rothmann in Wahrheit eine Frau ist, derenGeheimnis den Machtkampf grundlegend verändert.
Die Pitching Session des Filmfestival Münster bietet dem FIlmnachwuchs aus Münster und der Region eine Plattform, ihre Projekte einem Fachpublikum zu präsentieren und gezielt Unterstützung zu erhalten. Ziel ist es, innovative und spannende Filmprojekte in der Region zu fördern und den künstlerischen Film nachhaltig zu stärken.