GELBE SORTE am 30.11. im Schloßtheater

Im Rahmen von „Dem Land seine Bilder geben“ – einer Veranstaltung des Filmbüro NW und des filmclub münster wurde der erste abendfüllende Spielfilm des Filmwerkstatt-Mitglieds Robert Bramkamp aus dem Jahr 1987 gezeigt.

Der Abend bot einen persönlichen Blick hinter die Kulissen des Films „gelbe Sorte“ und war gleichzeitig eine Zeitreise in die Vergangenheit der Filmlandschaft und Filmpolitik in Deutschland. Robert Bramkamps erster Langspielfilm wurde damals (1987) mit einem überzeugenden Treatment vom Kleinen Fernsehspiel und der Filmwerkstatt Münster unterstützt. Der Film prägte deutlich seine Handschrift der DokuFiction: unkonventionelle Perspektiven und eine Neugier, die Form und Inhalt des Filmes nicht zu streng fest zu legen.

Der Film zeichnet sich durch cineastische Bilder und Dialoge aus, die besonders die eigenwillige Liebesbeziehung authentisch und nah zeigt. Der 16mm-Streifen in Schwarz-Weiß und im Bildformat 4:3 funktioniert noch ca. 40 Jahre später wunderbar auf der großen Leinwand. Der Charme dieses Debüts macht aus, dass es kein starres Narrative ist, sondern eher eine mosaikartige Annäherung an Menschen und ihren Ort.

Thematisch bleibt der Film heute höchst relevant: Menschen in der Landwirtschaft, die unsere Lebensgrundlage sichern, sind oft an ihren Ort gebunden und sehen sich gleichzeitig existenziellen Herausforderungen gegenüber – politische Auflagen, ökonomische Zwänge, familiäre Verpflichtungen. Bramkamps Film schafft es, diese Realitäten jenseits von Stereotypen zu zeigen und stattdessen eine intime, menschliche Perspektive zu geben. Der Bezug zu historischen Gegebenheiten, etwa dem chinesischen Bauernaufstand und der Zwangskollektivierung, wird nicht direkt für jeden zugänglich. Bereits damals gab dies in der Presse ein großes Fragezeichen. Das Ziel des Films, ist hauptsächlich Gefühle zu transportieren, statt didaktisch zu belehren – und dies gelinkt laut Bramkamp vielleicht sogar heute noch besser, da der Zugang zu den historischen Kontext der gezeigten Bilder aus China noch weiter weg gerückt ist.

Robert Bramkamp

Es war eine sehr gesellige Atmosphäre, mit „alten Hasen“ im Publikum und einige jüngere Filmschaffende u.a. aus der Filmwerkstatt Münster. Das abschließende Gespräch ging durch den gesamten Kinosaal und Viele brachten sich ein. Der Abend war mehr als eine rein analytische Filmvorführung; er wurde zu einer offenen, ehrlichen Reflexion über Anfänge, Entstehungsgeschichten und persönliche Laufbahnen der Teammitglieder. Hubertus Müll, der später dem Ton treu blieb, Herbert Schwering, Thomas Kufus, die selber eigene Filmproduktionsfirmen aufgebaut haben sind nur einige, die ihre Filmkarriere weiter verfolgt haben. Auch Kirsten Ellerbrake, damals Aufnahmeleitung, war einst als Geschäftsführung des Filmbüro NW filmpolitisch aktiv und ist weiter in der Filmproduktion tätig.

Die Erkenntnis, dass viele Beteiligte durch den damaligen Filmdreh einen Erweckungsmoment erlebt haben, unterstreicht den Zauber solcher frühen Produktionen.

Auch für Cristin König zeichnete sich ihr Weg in die Schauspielerei mit diesem Werk klar ab.

Der Abend „dem Land seine Bilder geben“ hat deutlich gemacht, dass Kino aus der Bereitschaft entsteht, unkonventionelle Wege zu gehen. Mit Mut kulturelle Filme umzusetzen, die nicht nur ein Filmteam stark prägen, sondern auch eine wichtige Perspektive eröffnen. Ein weiterer Beleg für die Bedeutung, den kulturellen Film in Deutschland nicht nur zu bewahren, sondern stark zu unterstützen. Die filmische wie politische Diskussion war anregend und hätte gerne länger gehen können. Eine Bestätigung dafür, dass solche Veranstaltungen wichtiges Wissen weitergeben kann und Kino über längere Zeit lebt.

Text: Kim Münster / filmbüro NW

Fotos: Irina Heckmann / filmbüro NW